Andreas Wobig
    Schauspieler
        und Sprecher

Andreas Wobig


In eigener Sache:

Die Kollegen und das Publikum werden mir fehlen! Ich habe mich dennoch aus ganz persönlichen Gründen entschieden, den Schauspielerberuf an den Nagel zu hängen und mich mit Ende dieser Spielzeit 2017/18 ins Privatleben zurückzuziehen!

Einige Worte dazu:

Ich bin jetzt 62 Jahre alt und mache seit 40 Jahren Theater. Das Theater hat sich in dieser Zeit natürlich verändert und entwickelt, wie ich mich natürlich auch verändert und weiter entwickelt habe. Dass diese Veränderungen nicht immer in die gleiche Richtung gehen und sich Prioritäten verschieben, ist eine zum Leben gehörende Tatsache. Lange Zeit hatte das Theater in meinem Leben absolute Priorität und ich glaube, die mir zugeteilten Positionen nicht ganz schlecht ausgefüllt zu haben. Die Notwendigkeit des Kämpfens auf verschiedensten Ebenen, welche die Theaterarbeit mit sich bringt, hat mich zwar noch nie fröhlich gemacht, aber doch um viele, wertvolle Erfahrungen bereichert.

Der Wert von Erfahrung hat jedoch in der allgemeinen Entwicklung stark abgenommen, das wird mir in der Arbeit mit den meist jungen Regisseuren oft deutlich. Auch lässt ein hohes Arbeitstempo manchmal wenig Platz zum Ausprobieren und für Genauigkeit. Manchmal wird auch nur reine Dienstleistung eingefordert. Meine Sicht auf Arbeitsweisen und Prioritäten wird langsam altmodisch, oder "old-school", und ich bin, trotz aller Anpassungsfähigkeit, nicht mehr so schnell und wendig wie vor zwanzig Jahren. Ich wäre ab kommender Spielzeit der Älteste im Ensemble, das verunsichert mich. Dazu kommt, dass die natürliche Abnahme körperlicher und geistiger Belastbarkeit wenig respektiert wird und oft als persönliche Schwäche angesehen wird. Dem entgegen zu wirken strengt sehr an! Respekt gehört wie auch Demut und Würde in die Reihe schwindender Werte. Vielleicht entsteht auch dadurch mein Gefühl, dass die Arbeit mir nach und nach mehr abverlangt, als sie mir zurückgibt. Das macht müde und frustriert!

Ich habe keinen Ehrgeiz, ein Dinosaurier sein. Mein Weg am Theater endet hier, in der Höhe ist für mich nichts Greifbares, auch nicht bei der Gage, die heute auch aufgrund von Etatkürzungen aussichtslos auf dem Stand wie vor 15 Jahren verharrt. Auch das ist ein Verlust von Wert und Wertschätzung, was ich als allgemeine Entwicklung in unserer Gesellschaft wahrnehme, die nicht vor den Türen des Theaters Halt macht.

Die Theater stehen heute unter einem hohen Druck, gute Auslastungszahlen vorzuweisen. Aber Vorsicht, wer überwiegend auf die Ergebnisse schaut und die Kontrolle der Arbeitsprozesse vernachlässigt, sei es Zeit- oder Kompetenzmangel, zeigt kein echtes Interesse am Wert unserer Arbeit in den Proben und übersieht den Anteil, den wir Schauspieler an den erreichten Auslastungen haben. Das sorgt für Frust. Der Schauspieler ist es, der in fruchtbarer Zusammenarbeit mit Regisseuren und Ausstattern, oder manchmal auch trotzdem, der Öffentlichkeit ein Ergebnis liefert. Selbsterhaltungstrieb. Ich war, bin und bleibe ein Verfechter des Schauspieler-Theaters - wohl doch ein Dinosaurier!

"Wenn ich vom Theater der Zukunft spreche, möchte ich vor Allem einmal feststellen, dass ich den Regisseur für eine provisorische oder besser vorübergehende Erscheinung in der Weiterentwicklung des Theaters halte."
(Max Reinhardt "über das ideale Theater")

Neue Prioritäten und greifbare Ziele sehe ich in meinem privaten Lebensbereich. Dort möchte ich noch Einiges erreichen, allein für mich und mein eigenes Wohlbefinden! Ich habe Lust darauf, die Umsetzung meiner ganz eigenen, privaten Bedürfnisse, Wünsche und vielleicht auch die Verwirklichung einiger Träume in Angriff zu nehmen, solange ich noch den Mut und die gesunde Power dazu habe. Die Zeit dafür wird immer knapper und deshalb nehme ich sie mir jetzt, ohne Resignation und ohne das Gefühl, Privilegien aufzugeben - im Gegenteil!

So mache ich nach 40 Jahren meinen Beruf sozusagen zum "Hobby" und freue mich drauf, vielleicht ab und zu, rein nach Lust und Laune, mal hier und da etwas spielen zu können. Vielleicht auch mal zu inszenieren, zu schreiben oder zu unterrichten. Vielleicht!
Meine Entscheidung fiel im April 2017 und ich bereue sie in keiner Weise, auch wenn die Arbeit am "Faust" mir in dieser letzten Spielzeit wieder viel Freude und Lust auf mehr gemacht hat.

Es ist mein Wunsch aufzuhören - und für das eigene Befinden ist das gut, solange es noch von einer Mehrheit bedauert als von ihr begrüßt wird - auch ein Erfahrungswert!




Stationen


Andreas Wobig wurde 1956 in Berlin geboren.

Er war 1980 Mitbegründer des Theaters "Freies Schauspiel Berlin", war dort als Schauspieler und Regisseur tätig.
Er gastierte unter Anderem an den Staatlichen Bühnen Berlin (Schiller- und Schlossparktheater, 1989-93) und wirkte in diversen Film- und Fernsehproduktionen mit.

Nach festen Engagements in Heilbronn (1996 bis 2003) und Wilhelmshaven (2004 bis 2006) arbeitete Andreas Wobig von 2006 bis 2012 als freier Schauspieler und Sprecher.
In Heilbronn wurde er in den Jahren 1999, 2000 und 2003 als bester Darsteller mit dem "Kilian-Preis" ausgezeichnet.

Er gastierte am Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, am Pfalztheater Kaiserslautern, am Theater an der Parkaue Berlin, am Westfälischen Landestheater und anderen Bühnen und Festspielen.
Als Sprecher wirkte er unter Anderem in beliebten Hörspielserien und Computerspielen mit.

Von 2007 bis 2011 war Andreas Wobig ausserdem regelmäßiger Gast bei den Kreuzgangspielen in Feuchtwangen.

Seit Beginn der Spielzeit 2012/13 gehört Andreas Wobig fest zum Ensemble des Tiroler Landestheaters in Innsbruck.

Mit Ende der Spielzeit 2017/18 wird Andreas Wobig das Engagement in Innsbruck und auch seine Tätigkeit als Schauspieler weitestgehend aufgeben und sich ins Privatleben zurückziehen.








bodalgo: Sprecher, Werbe-Sprecher, Synchron-Sprecher und Off-Sprecher
verantwortlich für den Inhalt:  •  Andreas Wobig  •  Innsbruck, Österreich